Der Freiheitsplatz mit der Maria-Namen-Kirche ist das Herz von Novi Sad. Foto: Shutterstock

Brücken bauen in Novi Sad: Sehenswürdigkeiten und mehr

Entdecke die Kulturhauptstadt 2002: Novi Sads Sehenswürdigkeiten, den Freiheitsplatz, das Exit Festival in Petrovaradin, Kulturevents, Serbische Küche & mehr

Published 09/15/2022 by Lisa Hübener

Selbst als zweitgrößte Stadt Serbiens dürfte Novi Sad vielen bisher kein Begriff sein. Doch “Würde es einen Wettbewerb um die schönste Stadt des Landes geben, würde Novi Sad den Grand Prix gewinnen.” sagt die Stadt über sich selbst. Auch wenn sich Novi Sad seine Beschaulichkeit bewahrt hat, spürt man seine junge, aufstrebende Kreativität an vielen Orten der Stadt. Genau dieser Kontrast sichert Novi Sad den Titel der Kulturhauptstadt 2022.

Die Europäische Union verleiht den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ seit 1985 an Städte auf dem gesamten Kontinent – Novi Sad ist die erste Stadt außerhalb der EU, der diese Ehre zuteilwird. Die Stadt der Brücken liegt etwa 70 Kilometer westlich der serbischen Hauptstadt Belgrad und wird durch die Donau geteilt. Am gegenüberliegenden Ufer der Altstadt thront die Festung Petrovaradin. Kaiserin Maria Theresia verlieh der Stadt im Jahr 1694 den königlichen Status einer Freistadt. Infolgedessen blühte die Stadt schnell zum Wirtschafts- und Kulturzentrum Serbiens auf. Slawen, Ungarn, Rumänen, Deutsche, Türken, Griechen und zahllose andere ethnische und religiöse Gemeinschaften fanden hier eine neue Heimat, was die Ernennung zur Kulturhauptstadt 2022 so passend macht. Das Ziel der Stadt, Brücken zwischen Künstlern und kulturellen Organisationen in Serbien und der EU zu bauen, trägt dazu bei. Das neue Motto von Novi Sad, „Vier neue Brücken“, symbolisiert diese Zusammenarbeit. Jede dieser Brücken steht für ein anderes Thema: Regenbogen, Freiheit, Liebe und Hoffnung. 

Jetzt ist die perfekte Zeit, um diese Stadt der Freiheit, Liebe und Hoffnung zu erkunden.

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Essen: Novi Sad

Eine Kultur erlebt man auch durch ihr Essen, das serbische Novi Sad ist da keine Ausnahme. Die lokale serbische Küche wurde sowohl durch die Einwohner verschiedener Kulturen geprägt als auch die beiden Flüsse der Stadt: Donau und Theiß, über die allerlei Handelsgüter und Gewürze in die Stadt kamen. Dich erwarten deftige Gerichte, bei denen der Einfluss Österreichs und der Türkei eine große Rolle spielt.

Ein beliebter Snack für zwischendurch ist Kulen, das auch gern als Vorspeise gegessen wird. Die scharf-säuerliche, geräucherte Rohwurst erhält ihre tiefrote Farbe von viel Paprika und wird dünn aufgeschnitten auf Brot verspeist. Kajmak, eine Art Schichtsahne, wird als grobkörniger Streichkäse ebenfalls als Brotbelag verzehrt, aber auch für Füllungen oder als Beilage zu zahlreichen Gerichten verwendet.

Das international bekannteste Gericht sind Ćevapčići. Die pikanten, gegrillten Hackfleischröllchen gelten in verschiedenen Staaten des Balkans als Nationalgericht. In Serbien werden sie zusammen mit dem türkisch beeinflussten Ajvar, einem scharfen Püree aus gegrillter Paprika und Auberginen, oder mit Kajmak gegessen.

Djuvec ist ein traditionelles Schmorgericht aus Gemüse und Fleisch, dessen Zutaten von Region zu Region oder sogar von Familie zu Familie variieren können. Kein Wunder, denn đuveče bedeutet im Serbischen schlicht Pfannengericht. Die Basis bilden Paprika und Tomaten, die nach Geschmack von Reis, Reisnudeln oder Kartoffeln und Lamm-, Schweine- oder Rindfleisch begleitet werden. Knoblauch sorgt für die richtige Würze. 

Eine besondere Spezialität ist Karađorđeva šnicla. Sie wurde nach Karađorđe benannt, dem Anführer des Ersten Serbischen Aufstandes gegen das Osmanische Reich von 1804 bis 18013. Hierbei handelt es sich um ein zunächst gerolltes und dann paniertes Schnitzel, das mit Käse oder Kajmak gefüllt wird.

Zu Feiertagen wird gern Sarma aufgetischt, die serbische Variation der Kohlroulade. Eine gewürzte Hackfleischmasse wird mit Reis zusammen in gesäuerte Weißkohlblätter eingewickelt und langsam geschmort.

Zum Dessert kommen süß gefüllte, dünne Palačinke auf den Tisch. Sie sind die serbische Version der Eierkuchen (Palatschinken) und zeugen noch heute von der österreichisch beeinflussten Vergangenheit.

Ein serbisches Dessert-Highlight ist die Vasina-Torte, die mit Weinbrand aromatisiert und mit einer Walnuss-, Mandel- und Haselnuss-Creme gefüllt wird. Einer Legende nach kreierte Vasa Čokrljan die Torte aus Dankbarkeit und Freude darüber, dass seine Frau und Tochter die schweren Komplikationen bei der Geburt heil überstanden. Auch heute noch ziert die Torte feierliche Geburtstagstafeln.

Um die serbische Küche zu erleben, solltest du unbedingt in eines der alten Bauernhäuser einkehren, die Salaši genannt werden. Sowohl ihre traditionelle Architektur als auch die Einrichtung haben sich über viele Jahre bewahrt und es werden authentische Gerichte serviert. Auch die alten Tavernen am Donauufer, Čarde genannt, sind ein guter Anlaufpunkt für traditionelle Küche. Unser Tipp: die Fischsuppe.

Wenn du auf den Geschmack gekommen bist und dir ein paar kulinarische Highlights Serbiens mit nach Hause nehmen möchtest, bist du im The Mother genau richtig. In der Altstadt werden hier serbische Delikatessen verkauft und serviert: von Käseplatten über Wein und Honig bis hin zu Ajvar und Rakia, dem typischen Obstbrand, bleibt kein Wunsch offen.

Sehenswürdigkeiten: Novi Sad

Beginne deine Erkundungstour am Wahrzeichen von Novi Sad, der Festung Petrovaradin im gleichnamigen Stadtteil, die geruhsam auf einer Erhöhung über der Stadt thront. Sie wurde zwischen 1692 und 1780 nach den neuesten Standards jener Zeit erbaut und ist auch heute noch eine der am besterhaltensten Atilleriebastionen Europas. Vor allem die Bauten im Barockstil und die hohen Fachwerkhäuser versprühen ihren Charme. Auch wenn der Putz von den Häusern bröckelt, kann man sich noch immer gut vorstellen, wie hier einst die herrschaftlichen Kutschen der Habsburger durch die kleinen Straßen polterten. Unter der Burg, die sich über insgesamt 100 Hektar erstreckt, verlaufen zahlreiche versteckte Tunnel, die sich mit einer Gesamtlänge von 16 Kilometern über vier Ebenen verteilen. An heißen Tagen bieten sie eine willkommene Abkühlung und vielleicht entdeckst du ja sogar den Habsburger Schatz, der hier einer Legende nach versteckt worden ist.

Die militärische Bedeutung der Festung nahm im Laufe der Jahre ab und die kulturelle stetig zu. Zahlreiche Kultur- und Bildungsinstitutionen machen heute aus dem Festungskomplex eine Art kreativer Kleinstadt mitsamt Stadtmuseum, dem Historischen Archiv, einem Planetarium und der Akademie der Künste. Über 100 kleine Künstlerateliers – unter ihnen das Atelier 61 mit seinen kunstvoll handgeknüpften Teppichen – und Galerien haben sich hier neben einem Hotel, Restaurants, Cafés und einem Jazz-Club angesiedelt. Bereits seit 2000 zieht es im Sommer jeden Jahres rund 200.000 Musik- und Feierwütige für vier Tage zum Exit Festival auf die Petrovaradiner Festung, um zu Rock- und Elektro-Musik zu tanzen.

Bevor du dich von der Festung Petrovaradin aus über die Varadin-Brücke in Richtung Innenstadt aufmachst, statte noch dem Uhrenturm (übrigens ein Geschenk der Kaiserin Maria Theresia) im südlichen Teil der Anlage einen Besuch ab. Er wird auch gern die “betrunkene Uhr” genannt, weil der große Zeiger hier nicht die Minuten, sondern die Stunden anzeigt. Lasse von hier aus den Blick über die Donau und die Häuserdächer schweifen – der Ausblick ist einmalig. Folge der Brücke über die Donau und schon bist du am idyllischen Donaupark (Dunavski Park), einem der Naturdenkmäler Serbiens. Hole dir ein Getränk und einen Snack im nahegelegenen Izlet-Café und gönne dir direkt vor Ort oder auf einer der Bänke rund um den großen Teich eine kleine Pause. Schon nach kurzer Zeit wirst du den Trubel der Stadt vergessen haben.

Erfrischt geht’s weiter zur angrenzenden Straße Dunavska, eine der ältesten der Stadt. Gesäumt von pittoresken, teils barocken Häusern in Pastellfarben beherbergt sie einige der ältesten Geschäfte Novi Sads. Ihr uriger Charme wird durch die vielen kleinen Passagen mit versteckten Geschäften und Boutiquen noch verstärkt, so dass man sich hier nur zu gern verliert. Die Dunavska führt direkt vom Donauufer in die Innenstadt und zum Herzen Novi Sads, dem Platz der Freiheit (Trg Slobode). Unter Einwohnern wird der Platz auch “der Platz des Miletić” nach Svetozar Miletić genannt. Der zweimalige Bürgermeister Novi Sads gilt als einer der wichtigsten Anführer der Serben und die ihm gewidmete überlebensgroße Statue bildet unübersehbar das Zentrum des Platzes.

Auf dem Freiheitsplatz wird dir als erstes die Maria-Namen-Kirche ins Auge stechen. Auch wenn es ihrem Rang nicht entspricht, wird sie von Einwohnern liebevoll “Kathedrale” genannt – und beim Anblick der neugotischen Elemente wie dem Rosettenfenster wird deutlich warum. Nachdem der erste Bau 1848 in den Revolutionsjahren zerstört wurde, wurden schnell Rufe nach einer prächtigeren Kirche laut, die dem neuen Status als freie königliche Stadt gerecht wird. 1894 wurde der heutige Kirchenbau fertiggestellt und bezaubert seitdem als höchste Kirche (72 Meter hoch) Novi Sads mit gelben Fassadenziegeln und einem besonders schönen, farbenprächtigen Dach aus Zsolnay-Keramik.

Ihr gegenüber, am anderen Ende des Platzes, befindet sich das Rathaus. Bereits seit 1895 dominiert die reich verzierte Fassade mit dem charakteristischen Turm den Platz der Freiheit und lässt Besucher staunen. Die Architektur vereint verschiedene Baustile, wobei die Neorenaissance vorherrscht. Besonders schön erscheint das Rathaus in den Abendstunden, wenn die Beleuchtung angeht und die zahlreichen dekorativen Details in stimmungsvolles Licht taucht. Einheimische und Touristen sitzen dann in den Cafés und Bars am Platz und genießen das lebendige Ambiente.

An Schönwettertagen zieht es zahlreiche Erfrischungssuchende an die Strandpromande im Schatten der mächtigen Freiheitsbrücke. Štrand ist ein etwa 700 Meter langer Sandstrand am Donauufer mit Eisdiele und Beachbar – er gilt als einer der schönsten Strände an der Donau überhaupt. Die dichten Bäume spenden Schatten in den heißen serbischen Sommern und lassen dich vergessen, dass du dich mitten in der Stadt befindest. Während am Tag die Strandbad-Atmosphäre mit Badegästen und Beachvolleyball vorherrscht, wird am Abend gern die elektronische Musik aufgedreht und zum Rave eingeladen.

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Almaški Kraj ist ein Viertel nördlich der Altstadt, das im Zuge der Nominierung Novi Sads zur Kulturhauptstadt 2022 mehr Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Als eines der ältesten Viertel der Stadt und einst etwas vernachlässigt, mausert sich Almaš nun zum kulturellen Hotspot. So wurde zum Beispiel die alte, verlassene Seidenfabrik renoviert und zur Svilara Cultural Station als Veranstaltungsort für verschiedene Events umgebaut. Auch die Matica Srpska, ein um 1826 gegründeter serbischer Kulturverein, ist hier im Palast Platoneum beheimatet. Das Ziel des Vereins ist es, die kulturelle Identität zu bewahren und sie gleichzeitig in Europa einzubinden – wo wir wieder bei den kulturellen Brücken wären. Die Ausstellung umfasst serbische Gemälde und Grafiken aus dem 16. bis 20. Jahrhundert sowie eine Bibliothek mit rund 3.500.000 literarischen Werken.

Das chinesische Viertel ist der hippe, alternative Stadtteil von Novi Sad, der etwas abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten liegt. Auf dem alten Fabrikgelände finden sich heute viele Künstlerateliers, kleine Galerien, Bars und Clubs. Auch im Rahmen des Programms zur Kulturhauptstadt Europas finden hier zahlreiche kleine Festivals, Theateraufführungen und skurrile Ausstellungen statt. Die verfallenden Industriegebäude, kunstvollen Graffitis und die kreative Atmosphäre bilden den perfekten Kontrast zur eher gutbürgerlichen Altstadt und schlagen abermals eine künstlerische Brücke – zwischen alt und modern, traditionell und innovativ, altbewährt und zukunftsgewandt.

Unterkunft: Novi Sad

Corso Rooms City Centre

Das Aparthotel Corso Rooms besticht mit seiner zentralen Lage im Herzen der Altstadt. In unmittelbarer Umgebung befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Lasse dich nicht vom detailverliebten, historischen Äußeren blenden, denn dass die Innenausstattung widmet sich ganz dem eleganten Scandi-Stil mit indirekter Beleuchtung. Die Zimmer sind geräumig mit einem gut ausgestatteten Bad, WLAN, TV und Klimaanlage. In der hauseigenen Bar und dem Restaurant wird Frühstück serviert und der Garten lädt zum Entspannen ein.

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Boutique Macchiato House 

Im Boutique Macchiato House treffen historische Detailverliebtheit auf modernen Komfort, Farbtupfer auf erdende Brauntöne. Das Bed and Breakfast in der Altstadt lässt keine Wünsche offen. Dich erwarten liebevoll mit Antiquitäten eingerichtete Zimmer mit modernen Badezimmern, WLAN und TV. Das Restaurant ist rustikal, aber mit eleganten Details, eingerichtet und serviert À-la-carte-Frühstück, von dem die Gäste schwärmen. Zimmerservice, Privatparkplätze und eine einladende Terrasse mit Garten komplettieren das Rundum-Wohlfühl-Ambiente.