Die schnellsten Züge der Welt: Reisen mit dem Hochgeschwindigkeitszug

Zur Premiere von Bullet Train im Juli werfen wir einen Blick auf die Geschichte des europäischen Hochgeschwindigkeitszuges
Published 04/22/2022 by Shandana A. Durrani

„Fünf Auftragskiller sitzen in einem Hochgeschwindigkeitszug, der – mit nur wenigen Zwischenstopps – in rasendem Tempo von Tokio nach Morioka fährt. Sie stellen fest, dass ihre Aufträge alle etwas miteinander zu tun haben. Die Frage lautet: Wer wird den Zug lebend verlassen und was erwartet denjenigen am Zielbahnhof?“ So lautet die Zusammenfassung von Deadline.com über den Thriller Bullet Train mit Brad Pitt und Sandra Bullock in den Hauptrollen, der demnächst in die Kinos kommt.

Natürlich spielt sich in den meisten Schnellzügen kein solcher nervenaufreibender Thriller ab. Doch aufregend ist die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug trotzdem. Nicht nur in Asien, sondern auch in Europa gibt es eine Vielzahl an Hochgeschwindigkeitszügen, die ihre Passagiere von Lyon nach Paris, von Neapel nach Mailand usw. bringen. Und mit aktualisierten Strecken und den geplanten neuen Schnellzügen können sich die Reisegäste auf eine tolle Fahrt freuen, ohne wie Brad Pitt im Filmtrailer an den Sitz gefesselt oder durch die Waggons gejagt zu werden.

Paris

Zwar haben China und Japan die schnellsten Züge der Welt, aber Europa ist nicht weit von diesen Geschwindigkeiten entfernt. In Spanien erreichen die AVE-Züge fast 320 Stundenkilometer und die deutschen ICEs kommen auf knapp 300 Stundenkilometer. So können Touristen und Einheimische, die sich statt für einen Flug für eine Zugreise entscheiden, ihren CO2-Fußabdruck drastisch reduzieren.

Neapel

„[Der Hochgeschwindigkeitszug der Renfe] ist ein sicheres und ökologisch nachhaltiges Verkehrsmittel für mittlere und lange Strecken“, erklärt Francisco Arteaga, Direktor des AVE-und Fernverkehrsgeschäfts des spanisches Eisenbahnunternehmens Renfe. „Der Service bietet nicht nur die Möglichkeit, schnell von einem Ort zum anderen zu kommen, sondern darüber hinaus ein unvergessliches Reiseerlebnis.“

Der erste Hochgeschwindigkeitszug, der „SuperExpress of Dreams“, wurde in den 1930er Jahren in Japan konzipiert und startete 1964 in Tokio, um den Bedarf an Geschwindigkeit und Effizienz in der boomenden Nachkriegszeit zu decken. Der Zug war bei den Fahrgästen so beliebt, dass Japan die Shinkansen-Linie von Osaka nach Okayama San’yō ein Jahrzehnt später bis nach Hakata verlängerte. Andere Länder folgten diesem Beispiel: So war Frankreich das erste europäische Land, das in den 1980er Jahren Hochgeschwindigkeitszüge einführte. Es folgten Deutschland, Spanien und Italien – die Kundenzahlen schossen in die Höhe.

„2021 feierte die Renfe ihr 80-jähriges Bestehen, in diesem Jahr den 30. Jahrestag seit der Einführung des AVE“, so Arteaga. „Seit der ersten Verbindung von Sevilla nach Madrid ist der AVE eine Erfolgsgeschichte und ein Wahrzeichen Spaniens, das den Charakter und die Werte unseres Landes widerspiegelt.“

Die Europäische Kommission hat große Ziele für den Schnellzug: Offiziellen Dokumenten zufolge sieht das vorgeschlagene transeuropäische Verkehrsnetz getrennte Gleise für Hochgeschwindigkeits- und reguläre Züge, den Ausbau des Schienenverkehrs in kleineren Städten, Verbesserungen an bestehenden Hochgeschwindigkeitsstrecken und zusätzliche Strecken bis 2040 vor.

„Wir arbeiten zurzeit an einem doppelten Szenario. Einerseits am Ausbau unseres Serviceangebots in neuen Zielgebieten und Korridoren wie Galicien, Kastilien und León oder Nordspanien, zum anderen an ganz neuen Produkte wie dem Avlo [der kostengünstige Hochgeschwindigkeitszug der Renfe mit Verkaufsautomaten und speziellen Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen], der im Rahmen der Liberalisierung eine wichtige Rolle spielen wird“, ergänzt Arteaga.

Ich hatte zwar (bisher) noch nicht das Glück, mit dem AVE zu fahren, aber der Hochgeschwindigkeitszug der SNCF von Paris in die Provence gehört zu meinen absoluten Lieblingsstrecken in Europa. Die Fahrt mit dem TGV INOUI nach Avignon dauert weniger als drei Stunden, spart im Vergleich zum Flugzeug mehr als 70 Prozent an CO2-Emissionen ein, und wenn du einen Platz im Oberstock ergatterst, kannst du die grüne Landschaft genießen, durch die der Zug rast. Von den Wäldern und Seen im Naturpark Morvan in Burgund über die Rhône-Hauptstadt Lyon – die Wiege des Kinos dank der Gebrüder Lumière – bis hin zur ehemaligen Papststadt Avignon. Die Stadt ist der perfekte Ausgangspunkt, um Lavendelfelder, malerische Weingüter und Restaurants zu entdecken, bei denen die Produkte direkt vom Feld auf dem Teller landen. Oder wirf einen Blick in unseren Reiseführer für die Provence, um mehr tolle Tipps zu finden!

Provence

Lass dich nicht von Brad Pitt in Bullet Train abschrecken: Hochgeschwindigkeitszüge sind die schnellste, sicherste und bequemste Art, Europa zu erkunden. Woosh!