Überwintern

Willkommen zur fünften Ausgabe von The Window Seat. Da die Reisemöglichkeiten nach wie vor eingeschränkt sind, konzentrieren wir uns zu Beginn des neuen Jahres auf Orte, die du online oder ganz in der Nähe erkunden kannst.

Städtische Parks bieten uns einen Ort, an dem wir Stress abbauen und uns wieder mit der Natur verbinden können, besonders wenn wir nicht weit reisen können. Credit: I Do Nothing But Love/Unsplash

Eine kleiner Ausflug ins Grüne

Erkunde die besten europäischen Stadtparks und Kulturräume, die eine Atempause vom Stress des vergangenen Jahres garantieren

Wir leben in unsicheren Zeiten und es ist verständlich, dass wir uns Sorgen um die Zukunft machen. Da wir alle deutlich mehr Zeit zu Hause verbringen, können Routine und Monotonie schnell Überhand nehmen. Doch ein Spaziergang ist mehr als nur eine willkommene Möglichkeit, sich zu bewegen und mehr als nur ein Tapetenwechsel; er trägt viel mehr zu unserem emotionalen Wohlbefinden bei.

Ja, es ist Winter, aber dies ist eine großartige Zeit, um sich wieder mit der Natur zu verbinden und die Lungen mit frischer Luft zu füllen. Es sind weniger Menschen unterwegs und die Wege leer. Oft muss man nicht lang suchen, um ein geeigneten Ort zu finden, denn viele der Städte Europas bieten öffentliche Gärten oder Grünflächen, die eine Atempause vom Stress des vergangenen Jahres versprechen. Tauche ein in die schönsten Orte in der Natur auf dem ganzen Kontinent.

Ein wenig Griechenland in München: Der Monopteros-Tempel bietet malerische Ausblicke und stille Besinnung. Credit: Niteesh Yadav/Unsplash

Ein Großteil Bayerns strotzt nur so vor Natur und auch die Hauptstadt München bietet jede Menge Grünflächen. Besuche den Englischen Garten, einen der größten Stadtparks der Welt. Er wurde 1789 erbaut und bietet Besuchern miteinander verschlungene Wege, eingebettet zwischen ausgedehnten Grünflächen, an denen die Eiche – ein nationales Symbol für Kraft und Beständigkeit – eine große Rolle spielt.

Doch im Englischen Garten geht es nicht nur um die einheimische Flora. Auf dem Weg durch den Garten gelangst du zu einer Insel mit einem authentischen japanischen Teehaus, wo gelegentlich noch immer traditionelle Zeremonien abgehalten werden. China ist mit der chinesischen Pagode vertreten und Griechenland mit dem Monopteros, einem eleganten neoklassizistischen Tempel, der einen spektakulären Blick auf die Umgebung bietet. Aufregender geht es am Eisbach zu, einem künstlichen Bach, an dem Surfer auch im tiefsten Winter versuchen die perfekte Welle zu erwischen. Nur für Profis, bitte!

Der Vigeland-Skulpturenpark in Oslo, Norwegen, feiert die Kunst. Der Park ist kostenlos und das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf dem 80 Hektar großen Gelände mit seinen für die norwegische Flora typischen Nadelbäumen sind mehr als 200 Werke des einheimischen Bildhauers Gustav Vigeland zu sehen.

Bei einem Spaziergang über den Mittelweg wirst du auf eine Vielzahl von Meisterwerken aus Bronze, Gusseisen und Granit stoßen. Während die Statue des zornigen Babys eine der beliebtesten Figuren ist, ist der Vigeland-Brunnen ein Höhepunkt, der das menschliche Befinden von der Geburt bis zum Tod besonders anschaulich zum Ausdruck bringt. Jeder von uns wird hier eine Skulptur finden, die sein Gefühl darstellt.

Wusstest du, dass die See-Kiefer der offizielle Baum der italienischen Hauptstadt Rom ist? Bewunder die schlanke, elegante Silhouetten des Baums bei einem Spaziergang durch die öffentlichen Parks der Metropole. Die Legende besagt, dass die alten Römer den Baum aus dem Nahen Osten für den Schiffsbau importierten. Und einer der besten Orte, um sie zu sehen, ist die Villa Torlonia im Stadtteil Coppedé.

Das weitläufige Anwesen, einst die Heimat des Adels von Torlonia, liegt etwas außerhalb der Aurelianischen Mauern und verfügt über einen englischen Garten und von Kaiserpalmen gesäumte Wege, die oft von Papageienkolonien bevölkert werden. Die 1797 vom Architekten Giuseppe Valadier erbaute neoklassizistische Villa und die beiden Granitobelisken, die sich daneben erheben, heißen Besucher willkommen, doch es ist vor allem die Casina delle Civette (Haus der Eulen), die Ehrfurcht und Bewunderung hervorruft.

Als ehemaliger Wohnsitz von Prinz Alessandro Torlonia sieht dieses zweistöckige Pfarrhaus aus, als käme es direkt aus einem alpinen Märchen mit samt seinen Turmzimmern und Vordächern aus glasierter Terrakotta in verschiedenen Farben. Sobald die Einschränkungen im Land aufgehoben sind, kannst du auch wieder das Innere besichtigen und Mosaike, Marmorskulpturen und Glasmalereien aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert bewundern.

In Zürich in der Schweiz befindet sich der MFO-Park, ein einzigartiges öffentliches Bauprojekt, das Architektur und Natur zu wundersamen Höhenflügen verbindet.

Das 2002 auf dem Gelände einer alten Maschinenfabrik erbaute Parkhaus ist ein offenes Spalier, das mit unzähligen Pflanzen verhüllt ist. Gehe mehrere Stockwerke hinauf und bestaune von den Balkonen aus mehr als 100 Sorten mehrjähriger Reben und Kletterpflanzen, die die Stahlseile umschlingen. Natürlich geht es hier im Herbst und Frühling farbenprächtiger zu, doch der Winter bietet eine einzigartige Perspektive auf Blauregen, Geißblatt und Hopfen. Das Areal ist 24 Stunden am Tag für jeden zugänglich, der einen ruhigen Ort sucht, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und Pläne für das neue zu schmieden.

Der Winter wird verblassen, die Blumen werden wieder blühen, ebenso wie unsere Möglichkeiten, gemeinsam zu reisen und diese Orte in vollen Zügen zu genießen.