Nähren

Willkommen zur neuesten Ausgabe von The Window Seat. Diesen Monat „nähren“ wir unseren Körper und erfreuen unseren Gaumen mit Beiträgen über gutes Essen und Trinken.

Sizilianisches Essen und seine einzigartige Architektur werden dir den Atem rauben. Credit: Shutterstock

Liebe auf den ersten Bissen

Von Arancina bis Cassata: erfahre, warum das Essen in Sizilien besser schmeckt

Italien ist bekannt für seine reiche Essenskultur und nirgendwo ist das offensichtlicher als in Sizilien. Während die meisten Nicht-Italiener mit der römischen und toskanischen Küche vertraut sind, hat Sizilien eine dynamische und abwechslungsreiche Geschichte, die es zu einem bemerkenswerten kulinarischen Mittelpunkt macht. Die größte Insel im Mittelmeer wurde von den Griechen, Römern, Arabern, Normannen und Spaniern erobert und besetzt, die alle ihre Spuren in der sizilianischen Identität, Kultur, Kunst, Architektur und vor allem im Essen hinterlassen haben. 

Die sizilianische Pizza hat internationale Fans, doch die sizilianische Küche ist mehr als lo sfincione. Die sizilianische Esskultur reicht Jahrtausende zurück und beinhaltet das Beste der verschiedenen Menschen, die Sizilien ihr Zuhause nennen. 

Wir haben eine Reiseroute entworfen, um die besten Gerichte zu entdecken und die Verbindung zwischen Essen, Kultur und Land hervorzuheben, während wir auch einige unbekannte Teile dieser verführerischen Insel erkunden.

Beginnen wir in Palermo, der Hauptstadt. Auch bekannt als „Die am meisten eroberte Stadt in der Geschichte“, rühmt sich Palermo einer Vielzahl von Traditionen, die sich in seiner Kunst und Architektur widerspiegeln. Die Stadt ist ein Mekka für Streetfood, mit einer Vielzahl von Möglichkeiten und Märkten in der Stadt. 


Ballarò und La Vucciria sind die berühmtesten von ihnen, mit Verkäufern, die „A Vanniata!“ schreien, um die Passanten zu den Geschmäckern, Gerüchen und Farben zu locken, die es dort zu entdecken gibt. Hier findest du die besten Beispiele für echtes sizilianisches Streetfood, von Panelle (frittierte Teigquadrate aus Kichererbsenmehl) bis Fritole (Kalbsreste, gekocht und dann frittiert und mit Brot und Zitrone serviert).

Aber das wahre Meisterwerk des sizilianischen Streetfoods ist l’arancina. Dieses frittierte Safran-Reisbällchen, gefüllt mit Hackfleisch und Erbsen, ist ungemein sättigend. Moderne Köche folgen immer noch dem jahrhundertealten Rezept, das ursprünglich von den Arabern und den Normannen stammt. Erstere brachten das Risotto mit Safran auf die Insel und letztere waren es, die den Reis zu kleinen „orangen“ Kugeln formten. 

Das Geheimnis einer perfekten Arancina? Die Reiskörner müssen al dente sein, man sollte also alle Körner beim Hineinbeißen spüren! Während du die Stadt erkundest, vergiss nicht, nach oben zu schauen: die berühmten roten Kuppeln von Palermo – San Cataldo und San Giovanni degli Eremiti – heben sich vom blauen Himmel ab und erinnern in Form und Farbe an Arancina.


Von Palermo aus geht es weiter nach Trapani, an der Westküste. Die „Stadt zwischen zwei Meeren“ (dem Mittelmeer und dem Tyrrhenischen Meer) hat eine elegante Altstadt arabischen Ursprungs. Vom Hafen aus kann man den herrlichen Archipel der Ägadischen Inseln erreichen. Die Klarheit und Farbe des Wassers unterstreichen, dass Fischgerichte hier die unbestrittenen Stars der Küche sind, vor allem Couscous alla trapanese.

Araber brachten den Couscous nach Sizilien, aber dieses Rezept spiegelt die Liebe der Sizilianer zum Meer und seinen Reichtümern wider. Der Grieß wird zuerst vorbereitet und in einer Mafaradda (traditioneller Keramiktopf) gemischt. Die Körner werden geduldig geschält, damit sie nicht klebrig oder gummiartig werden. Der Couscous wird in einer Fischbrühe aus lokalen Sorten drapiert: Schnapper, Seebrasse, Knurrhahn, Drachenkopf, Kabeljau, Meeräsche, Krustentiere und Mollusken. Das Ergebnis? Ein zutiefst schmackhaftes Gericht, bei dem du dich eins fühlen wirst mit dem Meer um dich herum. 

Aber Sizilien besteht nicht nur aus dem Meer. Das sizilianische Hinterland ist weniger bekannt, aber ebenso voll von alten Aromen und Bräuchen. 


Fahre nach Caltanissetta im Landesinneren, wo il cannolo siciliano, eines der beliebtesten italienischen Desserts, angeblich erfunden wurde. Die Legende besagt, dass einheimische Nonnen ein altes muslimisches Rezept abänderten, das einst von Haremskonkubinen für den örtlichen Sultan hergestellt wurde. Die frittierte, knusprige Teighülle ist mit weichem Ricotta-Käse, Schokoladenstückchen und einem kleinen Streifen kandierter Orange gefüllt. Frage nach einem „Cannolo Espresso“, wenn du in der Stadt bist – die Schale wird vor deinen Augen gefüllt, so dass die Hülle ihren Knusper behält.

Ricotta ist auch die Grundlage der Cassata, der Königin der sizilianischen Gebäcke. Die Griechen brachten den Ricotta und die Araber die quas’at, eine große runde Pfanne, in der Cassata hergestellt wird. Als die Spanier Sizilien kolonisierten, machten sie den Kuchen, der auch kandierte Früchte enthält, aufwendiger und verzierten ihn im Barockstil, genau wie sie es mit der regionalen Architektur taten.

Verbrenne die neu erworbenen Kalorien mit einem Besuch des Castello di Pietrarossa. Es befindet sich in einem baufälligen Zustand, ist aber immer noch eines der wichtigsten Schlösser Siziliens, dank seiner Lage auf einem Hügel, von dem aus man einen spektakulären Blick auf die umliegende Landschaft hat. Die längliche Form und der löchrige Stein des Turms erinnern an die Form eines Cannolo, mit den typischen Blasen in der Schale (die durch die Zugabe von Essig zum Teig entstehen).


Mache einen Ausflug an die Ostküste nach Catania, das am Fuße des Ätnas liegt. Die zweitgrößte Stadt Siziliens ist ein pulsierendes Beispiel für barocke Meisterwerke.

Das Teatro Massimo Bellini ist ein Juwel, das man nicht verpassen sollte. Hier traten berühmte Künstler von Maria Callas bis Luciano Pavarotti auf. Das Theater ist für immer mit dem lokalen Komponisten Vincenzo Bellini verbunden, der wiederum für immer mit der beliebtesten sizilianischen Pasta verbunden ist: Pasta alla Norma.  

Das Theater wurde 1890 mit Bellinis Norma eröffnet, und der Legende nach kreierte ein sizilianischer Koch ein Gericht zu Ehren dieses Ereignisses. Er wurde dazu möglicherweise von der Sopranistin Giuditta Pasta inspiriert, die die tragische Hauptrolle in der Oper spielte.


Pasta alla Norma ist ein Eckpfeiler der sizilianischen Küche. Es werden nur wenige Zutaten benötigt: frisches Basilikum, Knoblauch, reife Tomaten, goldene, gebratene Auberginen und geriebener, salziger Ricotta-Käse. Doch trotz seiner Einfachheit macht der reiche mediterrane Geschmack es zu einem der attraktivsten Gerichte in ganz Italien.

Apropos Theater: Beende deine Reise in Syrakus, das für seine historischen Strukturen bekannt ist, insbesondere für sein griechisches Theater. Hier kommt die kulinarische Tradition am besten im sizilianischen Marzipan zum Ausdruck.

Aus Zucker und frischen Mandeln hergestellt, ist Marzipan eine sizilianische Süßspeise als Kunstform. In einem zeitaufwändigen Prozess wird das Marzipan zu kleinen essbaren Skulpturen in Form von Obst und Gemüse gestaltet und bemalt. Gehe einfach in eine beliebige Konditorei in Syrakus, um diese kleinen Köstlichkeiten mit eigenen Augen zu sehen und, wenn du schon dabei bist, bestelle eine sizilianische Granita mit Brioche, eine kultige sizilianische Frühstücksleckerei!

Die sizilianische Küche beginnt und endet nicht mit den genannten Gerichten. Öffne deinen Geist und deinen Gaumen für neue Erfahrungen. Begib dich auf eine kulinarische Reise und genieße sie in vollen Zügen!