Kultur

Willkommen zur neuesten Ausgabe von The Window Seat. Diesen Monat erkunden wir, wie Kultur unsere Geschichte widerspiegelt, unsere Bindungen stärkt und uns dazu bringt, die Welt zu entdecken.

Die Weite des Jakobswegs macht es leicht, den nötigen Abstand einzuhalten. Credit: Shutterstock

Der am meisten bereiste Weg: Der Jakobsweg

Mache im Jakobsjahr eine Wanderung entlang der heiligen Straße, die zur Pilgerstätte für Menschen aus aller Welt geworden ist

Seit dem elften Jahrhundert ist der Jakobsweg, ein Wanderweg, der durch Frankreich, Spanien und Portugal führt, die bevorzugte Pilgerreise der Europäer. Nicht einmal Kriege oder Naturkatastrophen konnten die Menschen davon abhalten, den Weg zu gehen. Dann kam das Coronavirus und legte alles lahm – gerade rechtzeitig zum Heiligen Jakobsjahr 2021, als die Kathedrale von Santiago de Compostela nach fast einem Jahrzehnt der Restaurierung in neuem Glanz erstrahlt.

Jetzt, wo der Frühling naht, lockern sich einige der Beschränkungen in Spanien und den Nachbarländern. Auch wenn das Impfen noch im vollen Gange ist, ist das Wandern auf der meistbegangenen Straße eine großartige Art, den Sommerurlaub zu verbringen. Es ermöglicht Zeit in der Natur und lässt die lästigen Pandemie-Pfunde purzeln. Also, schnür die Wanderschuhe fest und machen dich wieder auf den Weg.

Ein Weg gepflastert mit Wundern

Santiago (auch bekannt als der Heilige Jakobus) ist einer der 12 Apostel Christi und der erste, der sein Leben für ihn opferte. Es wird angenommen, dass er in Palästina hingerichtet wurde und dass seine Jünger im Jahr 42 n. Chr. seine Überreste auf dem Seeweg in die spanische Region Galicien überführten. Im Jahr 844 entdeckte ein Eremit namens Pelayo sein Grab und auf Befehl von König Alfonso II. wurde eine kleine Kirche darüber erbaut. Weniger als 200 Jahre später kamen die ersten europäischen Pilger. Diese Pilger verwandelten die kleinen mittelalterlichen Orte entlang des über 800 Kilometer langen Weges in belebte Städte und brachten Handel und Kunst mit. Schnell wurde er zum wichtigsten katholischen Pilgerweg des Mittelalters.

Zwischen den Jahren 1075 und 1211 wurde die Kathedrale von Santiago errichtet und eingeweiht. Aufgrund der langen Bauzeit weist sie eine Vielzahl von architektonischen Stilen auf – von der Romanik über den Neoklassizismus bis hin zum Barock. Doch das ist nicht das einzige interessante Monument, das der Weg zu bieten hat: Egal, welche Route du wählst, du wirst viele romanische und gotische Kirchen, Kathedralen und Klöster entdecken, eingebettet in beeindruckende Naturlandschaften. Nach einer kleinen Flaute im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, erfreute sich der Jakobsweg wieder wachsender Beliebtheit, als die UNESCO ihn 1985 zum Weltkulturerbe erklärte. Das Xacobeo von 1993, auch bekannt als das Heilige Jahr der Jakobiner, setzte ihn auf die moderne Landkarte.

Da ist sie! Die symbolträchtige Kathedrale von Santiago erwartet die Pilger am Ende ihrer Reise. Credit: Shutterstock

Das Xacobeo 2021

Im Galicischen – einer Sprache mit spanischen und portugiesischen Einflüssen, die an der nördlichen Atlantikküste Spaniens gesprochen wird – steht Xacobeo für „jakobinisch“ oder in Bezug auf den Apostel Santiago. Das erste jakobinische Jahr war 1122, als Papst Calixtus II. diese Feierlichkeiten zu Ehren des Heiligen Jakobus einführte, wann immer der 25. Juli (der galicische Nationalfeiertag oder Tag des Heiligen Jakobus) auf einen Sonntag fiel. Das geschieht nur 14 Mal pro Jahrhundert. Im Jahr 1993 startete die galicische Regierung ihre erste weltweite Kampagne, um den Jakobsweg zu beleben und nicht-europäische Besucher anzuziehen. Die Straßen wurden verbessert und es wurden mehr Schutzhütten errichtet, um ihn für Pilger aus der ganzen Welt begehbarer zu machen. Das Jakobsjahr beginnt am 31. Dezember, wenn der Erzbischof von Santiago mit einem silbernen Hammer an die Puerta Santa (Heilige Pforte) klopft. Dieses Tor bleibt das ganze Jahr über geöffnet und schließt sich dann wieder bis zum nächsten Xacobeo. 


Angesichts der Pandemie hat Papst Franziskus zugestimmt, das Xacobeo bis zum Dezember 2022 zu verlängern. Wenn du also in diesem Jahr nicht verreisen möchtest, kannst du den Weg immer noch im nächsten Jahr gehen! Und egal, ob du ihn persönlich erleben oder von zu Hause aus streamen willst, du hast eine breite Auswahl an Aktivitäten und kulturellen Veranstaltungen unter dem Motto des Xacobeo. Profi-Segler werden während der Galicischen Segelwoche an der atemberaubenden Küste von Baiona gegeneinander antreten, während das Internationale Festival der Klassischen Musik Kirchen und Plätze entlang des so genannten Französischen Weges, hauptsächlich in der Region Aragón, beleuchtet. Außerdem gibt es Aktivitäten für Kinder, virtuelle und reale Escape Rooms, um die Städte kennenzulernen, und Ausstellungen wie „Las Huellas del Camino“ oder „100 Años de Ilustración Jacobea“ (mit Kunst aus den verschiedenen Xacobeo-Kampagnen des letzten Jahrhunderts).

Der Elefant im Raum

Das Coronavirus ist immer noch sehr besorgniserregend, weshalb die galicische Regierung alle notwendigen Maßnahmen ergriffen hat, um diejenigen zu schützen, die sich entscheiden, den Jakobsweg im Jahr 2021 zu begehen. Das betrifft vor allem die Herbergen, die nur noch mit 50 Prozent Auslastung geöffnet werden dürfen. In den Unterkünften wird alles weggeworfen – sogar die Bettwäsche –, Masken sind in Innenräumen als auch draußen vorgeschrieben, und alles wird täglich gereinigt und desinfiziert. Aus Sicherheitsgründen wirst du keinen Zugang zu den Küchen haben, also plane bitte dementsprechend.

Die galicische Regierung hat auch eine Versicherung für Pilger eingeführt, die ihre medizinischen Kosten deckt, sollten sie sich auf dem Weg mit dem Virus infizieren. Des weiteren wurde ein System digitaler Ausweise eingeführt, damit die Pilger bei ihrer Ankunft in Santiago nicht anstehen müssen.