Der Hafen von Genua ist einer der größten in Europa. Credit: Carolina Fanni

Genua: Ein Stadtführer

Pesto, Palazzi und Promenade: ein Abstecher in eine der meist unterschätzten Städte Italiens

Genua war einst die mächtigste Seerepublik in der Mittelmeerregion und ist auch heute noch vom Meer geprägt. Im großen, mittelalterlichen Stadtkern mit seinen vielen verschlungenen Gassen vermischt sich eine bemerkenswerte, acht Jahrhunderte alte Geschichte mit dem Alltag einer typischen Hafenstadt. Wäscheleinen mit frisch gewaschener Wäsche durchziehen die kopfsteingepflasterten Straßen. Wunderschöne Palazzi verstecken sich auf unscheinbaren Plätzen. Durch die offenen Fenster kann man einen Blick auf eindrucksvolle Deckengemälde erhaschen, die einst für den reichen Adel gemalt wurden und heute die Wohnungen ganz normaler Menschen schmücken. 

Wie eine Welle rollt sich die Stadt sanft hinab in das tiefe, dunkle Blau des ligurischen Meeres mit seinem historischen Hafen, der zu einem lebendigen Vergnügungsviertel mit einem hochmodernen Aquarium, einer Promenade mit tollen Restaurants und einigen der besten Museen der Stadt umgestaltet wurde. Im Westen erstreckt sich der monumentale Industriehafen mit seinen unzähligen Kränen und Frachtern – er erinnert an die jahrhundertealte und bis heute währende Beziehung Genuas zum Meer. Für die meisten ist Genua lediglich ein Zwischenstopp auf dem Weg in die Cinque Terre. Wer hier allerdings ein wenig verweilt, entdeckt eine Stadt von echter Schönheit, deren wahrer Reiz in ihrer Authentizität liegt.

Genuss 

Den Genuesen verdankt die Welt Pesto und Focaccia – zwei Dinge, die die kulinarische Einstellung der Bewohner auf den Punkt bringen: Essen muss einfach, frisch und lecker sein. Focaccia isst man hier den ganzen Tag. Die Genuesen sind geradezu besessen von „ihrem“ Brot, fast scheint es, als hätte sich der Duft von frisch gebackener Focaccia tief in die Mauern des mittelalterlichen Zentrums eingebrannt. Im Panificio Claretta, in einer düster wirkenden Gasse versteckt, kann man wunderbar knusprige, salzige Focaccia-Stücke für etwas mehr als einen Euro kaufen. Wer die traditionelle Küche entdecken will, sollte unbedingt einen Tisch in der Osteria Il Cadraio nahe der Via Garibaldi reservieren und trofie al pesto probieren, also die typischen handgerollten Nudeln der Region mit superfrischem Pesto.

Schleckermäuler dürften bei Pietro Romanengo fu Stefano auf der Piazza de Soziglia ihr Paradies finden. Diese klassische Konditorei stellt bereits seit 1780 Süßigkeiten her und ist auf handgemachte Desserts in kleinen Mengen spezialisiert, die nach traditionellen genuesischen Rezepten hergestellt werden. 

Am Abend, wenn die Bars und Cafés die Piazzas der Altstadt mit Leben füllen, kommt die Aperitivo-Kultur Genuas voll in Schwung. Beginne dein Bar-Hopping auf diesem lebhaften Platz in der Bar Berto, einer klassischen Bar mit typisch abgenutzter Fassade. 

Spaß 

Früher war Genua eine Stadt des Reichtums und der Macht – kein Wunder also, dass sich hier architektonische Juwelen finden. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in den Palazzi von Genua, den königlichen Herrenhäusern, die einst der herrschenden Aristokratie der Republik gehörten. Mehr als 100 solcher Paläste gibt es in der Altstadt, auf der Via Garibaldi stehen gleich 12 der prunkvollsten Exempel Seite an Seite. Heute befinden sich in ihnen Galerien, Museen, Geschäfte und sogar Friseursalons. Eine Ahnung davon, wie diese opulenten Häuser einst aussahen, bekommst du im Palazzo Reale, dem ehemaligen königlichen Wohnsitz des Hauses Savoyen, der heute ein Museum beherbergt.  

Daneben kann Genua mit einigen der schönsten Sakralbauten Nordwestitaliens aufwarten. Nimm dir ein wenig Zeit, um die Kathedrale San Lorenzo mit ihrer spektakulären gotischen Fassade zu erkunden oder die weniger besuchte Kirche San Matteo, eine kleine Kapelle mit einem friedvollen Klostergebäude, die von der mächtigen Familie Doria erbaut wurde. 

Abgesehen vom mittelalterlichen Stadtkern liegen einige der schönsten Ecken Genuas am Meeresufer. Im riesigen Aquarium – dem größten in Europa – leben Seekühe, Haie, Robben und Delfine. Außerdem ist das Aquarium ein wichtiges Forschungs- und Artenschutzzentrum speziell für Wale und die Genueser Delfine, die sich im Meer gleich vor der Stadt tummeln. 

Nur einen kurzen Spaziergang entfernt liegt das Galata Museo del Mar, in dem sich alles um die lange Geschichte von Genua und seiner Beziehung zum Meer dreht. Hier erfährst du mehr über die Anfänge der mächtigen Seerepublik im 11. Jahrhundert – von den Entdeckungen des Christoph Kolumbus über die Geschichte des Schiffbaus bis hin zu Italiens kompliziertem Verhältnis zum Thema Einwanderung.  

Wenn du eine wirklich spektakuläre Aussicht über die Stadt genießen willst, solltest du mit dem Art-Déco-Aufzug auf der Piazza Portello zur Aussichtsplattform auf der Spianata Castelletto hinauffahren. Vor deinen Augen entfaltet sich Genua in seiner ganzen alten und jungen Pracht, von den Kuppeln und Türmen der Altstadt bis hin zu den Kränen und Tankern im neuen Hafen.

Verweilen 

Palazzo Grillo 

Du willst dich königlich betten? Dann quartiere dich in deinem eigenen Palast im Palazzo Grillo ein, einem Marmormeisterwerk der Renaissance-Architektur im Herzen der Altstadt. Das Hotel aus dem 16. Jahrhundert verkörpert perfekt den Reichtum und die Opulenz des alten Genuas. Die 25 Zimmer des Hotels sind in einem geschmackvoll-minimalistischen Stil eingerichtet, der einen subtilen und modernen Kontrast zur geschichtsträchtigen Vergangenheit des Hotels setzt.  

Hotel Le Nuvole 

Eine weitere spektakuläre historische Residenz, das Hotel Le Nuvole, bietet eine preiswerte Unterkunft im typisch genuesischen Stil. Die 15 Zimmer sind schlicht und modern eingerichtet, wodurch die hohen Decken, aufwendig gestalteten Friese und antiken Fresken umso üppiger wirken. Auch in den Gemeinschaftsräumen, in denen moderne Fotografien neben Renaissance-Kunst hängen, gilt das Motto „cool statt klassisch“.