Irgendwie sind verlassene Orte faszinierend. Die Art und Weise, wie hier eine oftmals glorreiche Vergangenheit durch den Verfall der Gegenwart enthüllt wird. Die Erinnerungen, die unter der Schicht aus Schmutz und Schutt schlummern und nur darauf warten, endlich entdeckt zu werden. Wir werfen heute einen Blick auf einige der faszinierendsten Orte Europas, in denen die Zeit aufgehört hat, etwas zu verändern…

Spreepark, Deutschland

Spreepark - Flickr: Omio!

Ein DDR-Vergnügungspark mitten im Treptower Park in Berlin. Der Spreepark ist, obwohl alt und rostig, ein wahres Kleinod in der spannenden Geschichte Ostdeutschlands. Obwohl der Vergnügungspark in seinen Glanzzeiten mehr als 1,7 Millionen Besucher pro Jahr zählte, wurde er nach einer Serie von Unfällen und einem vereitelten peruanischen Kokainschmuggel dicht gemacht und seinem Schicksal überlassen. Seitdem hat die Natur begonnen den Park zurückzuerobern. Der dicht bewachsene Plänterwald war seitdem kein besonders freundlicher Nachbar. Heutzutage sind seine künstlichen Seen bis zum Rand mit Regenwasser gefüllt, Konstruktionen aus Holz rotten langsam dahin, die Fahrgeschäfte ächzen und stöhnen unter dem Druck der Naturkräfte – sogar das Riesenrad dreht sich noch einsam im Wind. Trotz der apokalyptischen Aura und der zahllosen “Betreten Verboten!” Schilder, zieht der stillgelegte Vergnügungspark Touristen und Bewohner gleichermaßen an.

So kommst du nach Berlin:
Mit dem Flieger: ab 100 €
Mit der Bahn: ab 90 €
Mit dem Bus: ab 10 €

Craco, Italien

Craco - Flickr: Andrea.Tomassi

Auf einer steilen, zerklüfteten Klippe oberhalb des Cavone Flusstals, dort wo Italiens Knöchel ist, findet man die Geisterstadt Craco. In den 1960er Jahren wurde die Stadt von einer Reihe von zerstörerischen Erdbeben und Erdrutschen heimgesucht und obwohl man sich immer wieder bemühte die Stadt wieder aufzubauen, mussten die 1.800 Einwohner schließlich den zerbröckelnden Heimatboden verlassen. Auch wenn nur die Außenwände der brüchigen Häuser übrig sind, lässt sich an ihnen der einstige Reichtum und Glanz der Stadt erkennen. Auch hier erobert sich die Natur langsam den Boden zurück. Die Ruinen gehen barmherzig in die Hügel über.

So kommst du nach Craco:
Mit der Bahn über Matera.

Maunsell Forts, Großbritannien

Maunsell Forts - Flickr: Russss

Aus der Themse und Mersey Mündung herausragend, wurden diese befestigten Türme im Zweiten Weltkrieg als Flugabwehrstellungen gebaut. Mehrere Türme wurden durch Kollisionen mit zivilen Schiffen zerstört, die übrigen wurden ende der 1950er Jahre außer Dienst gestellt. Zeitweise dienten sie als Heimat diverser Piratensender. Seit ein paar Jahrzehnten stehen sie nun leer ohne gewartet zu werden. Die massiven Betonklötze, die auch einem Science-Fiction Film entspringen könnten, sind in den Jahren der Verwaisung gereift. Von einer düsteren Schönheit umgeben, thronen sie vor der rauen englischen Küste und erinnern an Jahre der Vernichtung und Verzweiflung.

So kommst du nach Maunsell Forts:
Mit dem Flieger über Liverpool.

Olympische Bob-und Rodelbahn, Bosnien und Herzegowina

Bobsleigh and Luge Track - Wikimedia Commons: Julian Nitzsche

Mit der Planung für die Bobbahn wurde bereits in den 1970er Jahren begonnen, nachdem Sarajevo den Zuschlag für die Winterolympiade 1984 bekommen hatte. Bis zum Ausbruch des Jugoslawienkrieges wurde die Bobbahn für verschiedene Weltcup-Rennen genutzt, während des Krieges wurde sie dann stark beschädigt. Unter Kontrolle der serbischen Streitkräfte wurde die Bobbahn zum strategischen Punkt und die Schießscharten, die in den letzten Abschnitt der Bahn gebohrt wurden, sind noch immer intakt. Jahrzehnte später, eingehüllt in einen Mantel aus Schmutz und mit Graffiti besprühten Wänden, erfährt die zerfallende Bahn kaum noch Aufmerksamkeit – außer ein mutiger Skateboarder oder Tourist schaut mal vorbei.

So kommst du nach Sarajevo:
Mit dem Flieger: ab 120 €
Mit dem Bus: ab 50 €

Reschensee, Südtirol, Italien

verlorene orte
Um 2 Naturseen zu vereinen, wurde 1939 ein ganzes Dorf mit 163 Häusern und rund 523h überflutet. Die Bewohner wurden umgesiedelt und 1950 endeten die Flutungsarbeiten. Heute erinnert an das Dorf nur noch der Kirchturm, der mitten aus dem See ragt. Viele Sagen und Erzählungen ranken sich um die Flutung des Dorfs, wie zum Beispiel, dass man auch jetzt manchmal noch die Kirchturmglocken läuten hören kann.

So kommst du an den Reschensee:
Mit dem Bus: ab 18 €

Oradour sur Glane, Frankreich

verlassene orte
Das Dorf Oradour sur Glan liegt inmitten Frankreichs und ist über Bordeaux erreichbar. Es ist ein Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg. Hier scheint seit Kriegsende 1944 die Welt stehen geblieben zu sein, denn der Ort ist förmlich unberührt geblieben. Kaputte Häuser und Autos stehen noch wie damals und sollen eine Erinnerung und zugleich Mahnmal an dieses Zeit sein.

So kommst du nach Bordeaux:
Mit dem Bus: ab 58 €

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