In Deutschland, Europa und der ganzen Welt wird jährlich am 21. Juni der Sommer mit einem bunten Musikfest begrüßt: Die Fête de la Musique wird international als European und Worldwide Music Day gefeiert. Was gibt es schöneres, als durch die Stadt zu schlendern und an jeder Straßenecke mit handgemachter Musik begrüßt zu werden? Die Berlin-Paris-Partnerschaft feiert in diesem Jahr sogar ihr 20-jähriges Jubiläum. In unserem großen GoEuro Fête de la Musique Guide erfahrt ihr alles zu den Hintergründen des Festivals, umfassende Infos zur Musique-Hochburg Berlin sowie Geheimtipps und Hotspots in ganz Deutschland.

From Paris with Love

Fête de la Musique

Foto: Bodemuseum, fete de la musique Berlin 2010. © Akud / Lars Reimann

Die Idee zur Fête de la Musique stammt aus dem Jahre 1982, als der damalige französische Kulturminister Jack Lang vom musikalischen Idealismus in Frankreich träumte. Seitdem ist der 21. Juni nicht nur der Sommeranfang, sondern ein Tag zum Zelebrieren der handgemachten Musik. Zunächst wurde die Fête de la Musique nach Rom und Athen exportiert, heute verbindet sie musikaffine Menschen weltweit in 540 Städten, davon 300 in Europa und 45 in Deutschland (Stand: Juni 2014). Hierzulande verknüpft die Fête kulturell vor allem die Hauptstädte Paris und Berlin miteinander und ist Gelegenheit für Laien sowie Profis, an diesem Tag ihr Können öffentlich zu zeigen. Auf Straßen und Plätzen, in Parkanlagen und Clubs gibt es Musik aller Stilrichtungen gratis zu hören: Straßenmusik, Kapellen, Chöre und Orchester, von Hip Hop, Blues, Reggae über Rock, Pop, Ska, Punk und Elektro bis hin zu Klassik und Schlager ist alles vertreten.

Berlin Guide zur Fête de la Musique

Fête de la Musique Berlin

Foto: Mauerpark, fete de la musique Berlin 2010. © Dirk Mathesius

Seit 1995 verwandelt sich die Hauptstadt am 21. Juni zur musikalischen Hochburg des Landes, wenn alle Viertel und Kieze ihre musikalische Bandbreite präsentieren. Mittlerweile zeigen hier nicht nur Straßenmusiker ihr Können, auch namhafte Bands geben sich an der Spree die Klinke in die Hand. 100.000 Besucher werden an den insgesamt 106 Locations erwartet. Auch 25 neue Standorte werden in diesem Jahr eingeweiht, darunter zum Beispiel der LabSaal-Alter Dorfkrug, Café Dollinger, Mein Haus am See, die Willner-Brauerei und das Eschschloraque. Rock, Pop und Elektro über Hip-Hop bis Soul, Swing und Jazz – am Wochenende ist für jeden etwas dabei. 16 Uhr beginnen die Open Air Konzerte an öffentlichen Plätzen und enden 22 Uhr, anschließend wird in Clubs und Kneipen weitergefeiert.

Highlight im Mauerpark

Das Highlight der Fête de la Musique findet auch 2015 wieder im Mauerpark im Prenzlauer Berg statt. Auf der Red Bull Academy Stage sind hier in diesem Jahr die Acts Hudson Mohawke, Mark Ronson, Earl Sweatshirt, Kindness und Robot Koc zu betanzen. Die steilen Hügel im grün-begrasten Park mit beeindruckender historischer Stadtkulisse ist der ideale Ort, um bei elektronischer Musik den spätesten Sonnenuntergang des Jahres zu genießen.

Fête de la Musique Unplugged

Die Straßenmusiker jenseits der offiziellen Bühnen dürfen generell nur unplugged auftreten, das heißt, sie dürfen keine elektronischen Verstärkungsgeräte benutzen. Hotspot für entspannte Unplugged-Klänge ist in Berlin das Nikolaiviertel (Musikstil: Chöre, Percussion, Singer-Songwriter), zwischen den historischen Gemäuern entsteht eine ganz besonders stimmige Akustik. Auch das neue White Trash am Flutgraben in Treptow (Swing, Country, Rock) ist Anlaufstelle für alle Unplugged-Fans, sowie die Schillingbrücke (Reggae, Latin, Ska) oder die Teestube im Kunsthof Oranienburger Straße (A-Capella, Acoustik Pop, Country, Klassik).

Musique Highlights

Wo in Berlin tummeln sich die meisten Musiker und wo herrscht die größte Dichte an musikgeladenen Clubs und Kneipen?

fete de la musque nikolaiviertel

Foto: Nikolaiviertel – Lavoisier, (c) Alex Laljak

Alternativ durch Friedrichshain

Los geht’s in Friedrichshain im Szeneviertel rund um die Revaler Straße bis hin zur Karl-Marx-Allee. Clubs wie das Rosi’s (Rock, Punk), Lovelite (Rockabilly, Swing, Balkan) oder Cassiopeia (Hip Hop, Punkrock) öffnen die Pforten, Kneipen wie das Abgedreht (Ska, Folkpunk) und die KM Pianobar (Jazz, Soul, Worldmusic) locken mit Genremusik und Drinks. Wer Lust auf Open Air hat, ist im Volkspark Friedrichshain (Elektropop, Singer-Songwriter) an der richtigen Adresse.

Musik von, mit und für Kinder

Erstmals in diesem Jahr ist auch für die jüngsten Musikfans etwas dabei: An 25 Plätzen in Berlin gibt es spezielle Angebote von, mit und für Kinder. Die Kids geben z.B. Eigenkompositionen und Coversongs zum Besten oder zeigen, wie man mit Smartphone-Apps Musik macht. Auch für Workshops und zum selbst Ausprobieren ist reichlich Platz, zum Beispiel vor dem Klingenden Museum nahe Gesundbrunnen.

Klassik soll es sein: Staatsoper für alle

Zum ersten Mal fällt das Event “Staatsoper für alle” mit der Fête de la Musique auf den gleichen Tag – das passt doch wie die Faust auf’s Auge. Auf dem Bebelplatz in Berlin Mitte wird seit 2007 jährlich ein klassisches Programm dargeboten. Mit Stücken von Beethoven über Tschaikowsky bis hin zu Wagner begeistert die Staatskapelle unter den Linden ihre Zuschauer. Auch dieses Konzert ist natürlich kostenfrei und eine entspannte Abwechslung zum Rock- und Popgeschehen in der restlichen Stadt.

Fête-Zentren Spandau, Mitte und Prenz’lberg

Ein großes Ballungszentrum befindet sich 2015 in Spandau, denn die Fête de la Musique zieht sich hier wie ein roter Faden durch die gesamte Altstadt. Der Vorteil in Spandau: Alle Musikstandorte befinden sich sehr dicht und in Laufnähe beieinander, kurze Wege sind hier Programm.

Berlin Mitte bietet das weitläufigste Musique-Territorium der Stadt mit zahlreichen Anlaufpunkten für Klangbegeisterte. Die Friedrichstraße hinunter mit Abstecher zur KulturBühne im Dussmann Kultur Kaufhaus (Oriental, Jazz, Pop), von der Humboldt-Universität (Chor, A-Capella), Unter den Linden bis hin zu Szeneclubs wie Tresor (Techno, House) und Ritter Butzke (Elektro). Der Stadtteil Mitte bietet außerdem Hotspots für Chor- und geistliche Kirchenmusik, wie z.B. im Kreativhaus, der Parochialkirche und der St. Hedwigs-Kathedrale.

Drittes großes Musique-Zentrum ist der Prenzlauer Berg, da hier allein die Kulturbrauerei und der von dort aus zu Fuß erreichbare Mauerpark ein eigenes Ballungszentrum bilden. Im Kesselhaus (French Rock) und dem Frannz Sommergarten (Elektroswing) lässt sich bis spät in die Nacht feiern, die große Bühne im Mauerpark (Indie, Elektronisch) stellt den Höhepunkt der Berliner Fête dar. Kleinere Kneipen und Cafés laden daneben zum entspannten Lauschen verschiedener internationaler Klänge ein. Hier geht’s zum kompletten Programm.

fete de la musique chor nikolaikirche

Foto: Fête de la Musique Berlin am 21. Juni 2012, Die Chorgemeinschaft “Bella Musica” unter der Leitung von Wilfried Scheffler singt an der Nikolaikirche, (c) Kai Bienert

Alle Bühnen in Berlin: Hier geht’s zur Karte


 

Geheimtipps in ganz Deutschland


Die Spree-Metropole ist am 21. Juni Musique-Hauptstadt, doch in Deutschland wimmelt es regelrecht von charmanten Hotspots außerhalb Berlins. Hier sind unsere Fête-Geheimtipps, in diesen deutschen Städten kann man am schönsten durch die Stadt flanieren und sich bedudeln lassen:

  • Köln: Erneut findet die Fête de la Musique in der Rheinmetropole am Rheinauhafen statt. Diesmal wird das gesamte Hafengelände von Musikern verschiedener Genre bespielt und bildet mit Ausblick auf den Kölner Dom eine atemberaubende Atmosphäre.
  • Bamberg: Als einzige Stadt in Bayern ruft Bamberg zum 3. Mal zum musizieren auf. Entlang der Sandstraße, im Freien sowie Indoor spielen Bands, Chöre und Orchester – zwischen den historischen, dicht an dicht geschmiegten Fachwerkbauten ein kleines, aber sehr feines Erlebnis.
  • Rostock: Musikalisch-maritimen Ostseecharme versprüht die Hansestadt Rostock. Die Musikmeile zieht sich hier vom Universitätsplatz bis in die Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Außerdem organisiert das Institut franco-allemand de Rostock e.V. weitere Aktionen zum Mitmachen. Neben reichlich Musik gibt es in Rostock auch Kunst, Theater und Poetry Slams.
  • Magdeburg: Im Schatten des mächtigen Magdeburger Doms geht es zum 13. Mal von der Festung Mark bis hin zum Thiem 20, wo Straßenmusiker und Bands in erstaunlicher Anzahl ihr Können zeigen. Auch hier besticht die Kulisse des alten Stadtkerns und sorgt für gute Stimmung und Akustik.
  • Erfurt: Vom Domplatz durch die engen Gässchen der Altstadt über die berühmte Krämerbrücke bis hin zum Anger wird die Thüringer Landeshauptstadt in handgemachte Musik getaucht. In urigen Cafés und Kneipen geht es ebenfalls zur Sache. Von Erfurt mit dem Zug nur einen Katzensprung entfernt sind zudem die thüringer Fête-Zentren Weimar, Jena und Gera, welches in diesem Jahr Premiere feiert.
  • Potsdam: Nachdem die Stadt an der Havel im letzten Jahr eine Pause eingelegt hat, ist sie in diesem Jahr wieder ganz vorn mit dabei: An extravaganten 35 Indoor- und Outdoorlocations, wie dem Waschhaus, dem Theaterschiff oder am Brandenburger Tor, tagen bekannte Künstler sowie Newcomer aller Genre.

 

Titelbild: © Fête de la Musique

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