Wenn Märchen wahr werden…

Dort, wo Frau Holle ihre Kissen ausschüttelt, wo der Prinz Dornröschen wachküsst, wo Aschenputtel ihren Schuh verliert und wo der Wolf an die Tür klopft – das ist die Deutsche Märchenstraße. Die fabelhafte Ferienroute ist 600 Kilometer lang und verknüpft etwa 40 idyllische Ortschaften und Städte miteinander. Sie ist den weltweit bekannten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gewidmet und umfasst sowohl Lebensstationen der Brüder als auch Orte, in denen die Märchen und Sagen beheimatet sind. Zwischen Hanau und Bremerhaven wandelt man heute auf den Spuren des kulturellen Erbes der Grimms. Die Route dient vor allem zur Bewahrung und Wertschätzung der deutschen Märchen, Legenden und Sagen.


Die verschiedenen Abschnitte und Themen der Märchenstraße halten für jeden Märchenfreund etwas bereit. Um direkt etwas über einen bestimmten Teil der Ferienstraße zu erfahren, kannst du hier unsere Shortlinks benutzen:

Das Konzept der Märchenstraße
Das Leben und Wirken der Gebrüder Grimm und ihrer Freunde
Auf den Spuren der Märchen
Sagenumwobene Route: Heimaten der “Deutschen Sagen”
Für Architekten und Detailverliebte: Fachwerkromantik und Mittelalterstädtchen
Jenseits vom Rotkäppchen-Land
Routentipp: Dornröschen-Route
Routentipp II: Frau-Holle-Route


Es war einmal vor langer Zeit…

Deutsche Märchenstraße Karte

Foto: Wikimedia Commons, QBay

… im Jahre 1975, als die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße gegründet wurde. Bis heute hat sich die Märchenstraße neben z.B. der Romantischen Straße oder der Ferienstraße-Ostsee-Alpen zu einer der bekanntesten der 150 Ferienrouten in Deutschland gemausert. Die 1812 herausgegebenen und mittlerweile in 140 Sprachen übersetzten Kinder- und Hausmärchen prägen das Bild eines besonders romantischen Deutschlands und schaffen ein ausgesprochen positives Image. Ursprünglich war die Route lediglich als Werbung für das Land Hessen gedacht, dem Heimatland der Brüder Grimm. Doch nach und nach schlossen sich weitere 40 Städte und Gemeinden an – allen voran Bremen mit seinen berühmten Stadtmusikanten – die heute die Strecke gemeinsam mit Märchenflair verzaubern. Auf dieser Karte der Deutschen Märchenstraße kann die spannende Route schon einmal unter die Lupe genommen werden.

Deutsche Märchenstraße Aschenputtel

Aschenputtels Schuh. Foto: Wikimedia Commons, Tine

Märchenhaft Reisen: Das Konzept der Märchenstraße

Doch wo genau führt die Deutsche Märchenstraße denn nun lang? Wonach wurden die Orte und Städte ausgewählt, die man unterwegs passiert? Und was gibt es eigentlich alles auf der Märchenstraße zu entdecken?

Heimat- und Wirkungsstätten der Grimms und ihrer Freunde

Deutsche Märchenstraße Hanau

Gebrüder Grimm Denkmal in Hanau. Foto: Flickr, Philipp Gerbig

Die Streckenführung der Märchenstraße ist allem voran den Gebrüdern Grimm gewidmet, hier haben sie die deutlichsten Spuren eines großen Lebens hinterlassen. Die größeren Städte der Route verbinden die Lebensstationen der Brüder. Das sind:

  • Hanau, die Geburtsstadt der Grimms, wo ihnen zu Ehren auch die Märchenfestspiele stattfinden
  • Steinau an der Straße – die Jugendwirkungsstätte, hier begeistert das Marionettentheater “Die Holzköppe” fast täglich mit Märchenvorstellungen. Außerdem sitzt hier der Froschkönig in seinem Brunnen.
  • Marburg, Wiege der deutschen Romantik, Studienort der Gebrüder und die Erforschung der Volksliteratur durch die Grimms
  • Kassel – Hauptstadt der Deutschen Märchenstraße und Mittelpunkt des Märchensammelns, die Brüder lebten hier 30 Jahre
  • Göttingen, hier wirkten Jacob und Wilhelm Grimm als Professoren
Deutsche Märchenstraße Froschkönig

Der Froschkönig. Foto: Flickr, tuxdriver

Auch die Wirkungs- und Geburtsstätten von Leuten sind auf der Strecke zu finden, welche die Gebrüder in ihrer Arbeit unterstützten. Das wären etwa:

  • Baunatal, Geburtsort der Märchenfrau Dorothea Viehmann, eine der wichtigsten Quellen für die Grimms
  • Fitzlar, wo Bettina von Arnim zur Schule ging
  • Lahntal Großfelden als die Wirkungsstätte des Malers Otto Ubbelohde, der die Illustrationen zu den Hausmärchen beisteuerte

Poetisch Reisen: Die Schauplätze der Märchen

Deutsche Märchenstraße Bremen

Die Bremer Stadtmusikanten. Foto: Flickr, Jim Champion

Die Grimm’schen Märchen lassen sich zwar zum größten Teil nicht eindeutig lokalisieren, doch das Volk weist ihnen innerhalb Deutschlands gerne Schauplätze zu, die allesamt auf der Strecke der Märchenstraße liegen. Auch Landschaften, die nachgewiesenermaßen Ursprung der Märchen sind, gehören dazu:

  • Das Trachtenland der Hessischen Schwalm – hier ist Rotkäppchen beheimatet
  • Der Hohe Meißner im Werraland, wo Frau Holle wohnt
  • Bremen und die Weser, wo es selbstverständlich die Stadtmusikanten hin verschlägt
  • Homberg/Efze – hier steht der bekannte Brüderchen und Schwesterchen Brunnen
  • Sababurg, Standort des Dornröschenschlosses
  • Bad Wildungen, das Schneewittchen-Dorf

Die fabelhafte Sagenwelt der Gebrüder Grimm

Deutsche Märchenstraße Bodenwerder

Blick auf die Weser & Münchhausenstadt Bodenwerder. Foto: Wikimedia Commons, Angela2463

Die Brüder hielten nicht nur Volksmärchen schriftlich fest, sondern sammelten auch hunderte von Sagen und veröffentlichten diese in dem Band “Deutsche Sagen“. Anders als bei den Märchen lassen sich Ort und Zeit der Sagen viel genauer bestimmen. Verschiedene Bürgermeister der entsprechenden Ortschaften, auf welche die Sagen zurückzuführen sind, wollten ebenfalls in die Märchenstraße einbezogen werden. Also gesellten sich Baron Münchhausen, Max und Moritz, Doktor Eisenbart und weitere Legenden- und Sagenfiguren zu den klassischen Märchen:

  • Schlüchtern (“Die Wilden Leute im Bernhardswald”)
  • Waldeck (“Die Zwerge vom “Treustein”)
  • Bodenwerder (“Baron Münchhausen”)
  • Hameln (“Der Rattenfänger von Hameln”)
  • Buxtehude (“Der Hase und der Igel”)
  • Bremerhaven (“Der Klabautermann”)

Architektur und Grimm’scher Zeitgeist der Ortschaften

Deutsche Märchenstraße Alsfeld

Fachwerkbauten in Alsfeld. Foto: Flickr, François Philipp

Die Deutsche Märchenstraße ist wie keine zweite von romantischen Fachwerkstädtchen geprägt. Der Reiseweg vom Main bis zum Meer führt durch kleine historische sowie architektonische Attraktionen. Urige, mittelalterliche Stadtbilder und bedeutende Sehenswürdigkeiten sind ebenfalls Teil dieser fabelhaften Route. Hier wären etwa zu nennen:

  • Alsfeld, hier befindet sich außerdem das bekannte Märchenhaus
  • Bad Oeynhausen mit seinem Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseum
  • Hanau, wo das wunderschöne barocke Schloss Philippsruhe steht
  • Der Bergpark Kassel-Wilhemshöhe
  • Homberg, Fitzlar, Hannoversch Münden und Nienburg an der Weser als Höhepunkte der Fachwerkarchitektur

Und wenn sie nicht gestorben sind…

Die zwei Routen der Deutschen Märchenstraße

Nach der Urlaubsregion Waldeck-Edersee bis Kassel – dem so genannten Rotkäppchenland – teilt sich die Route der Märchenstraße und eröffnet dem Entdecker zwei Optionen: Die Dornröschen-Route oder die Frau-Holle-Route. Letztere folgt den Pfaden der Herrin des Schnees auf dem Hohen Meißner, die Dornröschen-Route führt zum Dornröschen-Schloss in Sababurg. Beide starten am Brüder-Grimm-Museum in Kassel.

100 Jahre Schlaf: Die Dornröschen-Route

Deutsche Märchenstraße Dornröschenschloss Sababurg

Dornröschenschloss Sababurg. Foto: Flickr, Alkuin

Diese Route, die der berühmten schlafenden Schönheit gewidmet ist, verläuft durch folgende Orte:

  • Hannoversch Münden – hier starb Doktor Eisenbart
  • Immenhausen
  • Reinhardswald und Sababurg, inklusive Dornröschen-Schloss
  • Hogeismar, Heimat der “Würfelturm zu Hofgeismar”-Sage
  • Trendelburg, hier steht die berühmte Rapunzel-Burg (Burg Trendelburg)
  • Oberweser
  • Fürstenberg

Kissen und Schnee: Die Frau-Holle-Route

Deutsche Märchenstraße Frau Holle Hoher Meißner

Frau-Holle-Rundweg. Foto: Wikimedia Commons, Dirk Schmidt

Auf der Frau-Holle-Route passiert man diese verträumten Städtchen:

  • Nieste, Heimat der Sage “Der Niester Riese”
  • Kaufungen (“Die heilige Kunigunde”)
  • Hessisch Lichtenau, das Frau-Holle-Land mit dem Frau-Holle-Rundweg
  • Bad Sooden-Allendorf, wo Goldmarie und Pechmarie beheimatet sind
  • Witzenhausen (“Auszug der Wichtel aus dem Burgberg bei Ermschwerd”)
  • Heilbad Heiligenstadt (“Warum die Heiligenstädter die Möhrenkönige heißen”)
  • Ebergötzen – hier steht die berühmte Wilhelm-Busch-Mühle
  • Wahlsburg, Fürstenberg sowie Helsa und Großalmerode

Die Routen laufen an der Weser vor der legendären Rattenfängerstadt Hameln wieder zusammen und führen gemeinsam bis in den Norden nach Bremen und Bremerhaven. Egal, welche Strecke man wählt, die Märchenstraße bezaubert Groß und Klein auf allen Pfaden.

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